Erby und Schenky im Pflichtteilsland

Wie funktioniert unser Erbrecht?

Erklärt von Schenky, Erby und der Pflichtteilshexe
Gesetzliche Erbfolge, Testamente, Pflichtteil und Steuern sind die vier Säulen unseres Erbrechts

 

Verblüffend einfach


Schenky:
 Mensch Erby, Du bist doch Erbrechtler. Also Dein Erbrecht ist  wirklich schwierig. Ich blick da nicht durch.

Erby:  Seit wann intereressierst Du Dich denn für Erbrecht, Schenky? Du sagst doch immer, geben mit warmen Pfoten sei besser als mit kalten. Also, gib mal acht. Irgendwie ist erben ganz schön schwer, aber auch verblüffend einfach.  Du wirst es nicht glauben. Eigentlich geht alles automatisch. Das Gesetz regelt wer erbt, wenn kein Testament gemacht wurde. Und jetzt kommt der Oberhammer, meine Liebe. Wenn jemand stirbt geht alles was er hat automatisch auf die Erben über. Von selbst, wie von Zauberhand! Abera Kadaberi und furt ist sie, die Erbschaft. Das geht alles wie von selbst. Die Erbschaft war eben noch beim Erblasser und kaum ist er tot schon ist sie bei den Erben. In Deutschland müssen die Erben nicht zum Gericht, um das Erbe anzutreten wie bei unseren österreichischen Freunden. Nein.  Bei uns geht das alles viel schneller. In der Sekunde des Todes von Papa oder Mama gehört den Erben die Erbschaft. Die brauchen das noch nicht mal zu wissen. Alles vollautomatisch.  Alles was der Erblasser hatte, sogar Dinge, von denen er gar nichts mehr wusste, weil sie auf dem Speicher lagen, gehen auf die Erben über.

  • Grundsatz des Vonselbsterwerbes:
    Die Erbschaft geht automatisch auf die Erben über, ohne dass es hierzu irgendwelcher Handlungen des Erben bedarf.
  • Grundsatz der Gesamtrechtsnachfolge:
    Alle Rechte und Pflichten gehen dabei über, also die aktiven Vermögenswerte, aber auch alle Schulden.
  • Grundsatz gesetzliche Erbfolge:
    Ist kein Testament vorhanden, regelt das Gesetz automatisch die Erben.

Alles geregelt?


Schenky: Das steht so wirklich im Gesetz?

Erby: Ja und noch viel mehr. Das Gesetz heißt das Bürgerliche Gesetzbuch. Dort ist bestimmt, wer erbt, wenn in der Familie nichts geregelt wurde. Ohne Testament gilt die e gesetzliche Erbfolge. So heißt das. Die gesetzliche Erbfolge gibt es immer dann, wenn der Erblasser kein Testament gemacht hat. Der Erblasser ist der, der stirbt, also erblasst (kichert). Du kannst es beim Gesetz belassen oder die gesetzliche Erbfolge mit einem Testament abändern.  Das nennt man dann Testierfreiheit.

 

  • Gesetzliche Erbfolge
    Ohne Testament erben die „gesetzlichen Erben“. Das sind der Ehegatte und die Verwandten des Erblassers.
  • Erste Ordnung, bester Startplatz
    Wer mit dem Erblasser näher verwandt ist, erbt und schließt die anderen aus. Es gibt richtige Startplätze zum Erben. Startplatz 1 haben die Kinder. Gibt es keine Kinder oder Enkelkinder siegt Startplatz 2: die Eltern oder die Geschwister des Erblassers. Startplatz 3 und 4 gewinnen selten: die haben die Abkömmlinge der Großeltern und Urgroßeltern des Verstorbenen.
  • Der Ehegatte
    des Verstorbenen braucht keinen Startplatz. Er erbt nach dem Gesetz mindestens 1/4 und meistens 1/2, wenn Kinder da sind.


Schenky: Das mit den Startplätzen ist ja spannend. Das ist fast so wie bei der Formel 1. Wenn Michael Schuhmacher auf der Poolposition stand, kam keiner an ihm vorbei.

 

Erby: Genauso Schenky. Bei uns Erbrechtlern heißt das zwar nicht Poolposition sondern Erbe erster Ordnung. Aber eigentlich ist es dasselbe. Erben der ersten Ordnung sind immer die Kinder des Verstorbenen. Neben den Erben der ersten Ordnung erbt der überlebende Ehegatte normalerweise die Hälfte. Er bekommt die eine Hälfte des Nachlasses und die Kinder teilen sich die andere Hälfte. Bei einem Ehegatten und drei Kindern erbt der Ehegatte ½ und die drei Kinder bekommen je 1/6. Dass der Ehegatte neben den Kindern die Hälfte erbt, ist fast immer so. Also das ist der Normalfall. Nämlich immer dann, wenn der Verstorbene normal verheiratet war, also wenn die Eheleute keinen Ehevertrag beim Notar gemacht haben. Waren sie beim Notar und haben Gütertrennung oder Gütergemeinschaft in einem Ehevertrag vereinbart, haben wir andere Erbteile für den Ehegatten.

 Böse Überraschung für kinderlose Ehepaare


Schenky: Ich hab doch gewusst, dass Erbrecht schwer ist. Ich hab es gewusst. Von wegen verblüffend leicht. Und was ist mit denen, die im Rennen um die Erbschaft hinter Michael Schuhmacher stehen?

 

Erby:  Zu denen, die in der zweiten Startreihe stehen, sagen wir „Erben 2. Ordnung“.  Hatte der Verstorbene keine Kinder oder Enke, können auch seine Eltern oder seine Geschwister, Nichten oder Neffen erben. Pass auf, Schenky. War der Tote normal verheiratet und hat keine Kinder, dann erbt der überlebende Ehegatte ¾. Er bekommt zu seiner normalen Hälfte noch ein Viertel vom Gesetz spendiert, weil es keine Kinder gibt, die was brauchen.  Aber er bekommt eben nicht die ganze Kinderhälfte sondern nur ein Viertel davon. Das andere Viertel geht an die Eltern des Verstorbenen. Weil die meistens schon selber tot sind, geht das Viertel statt an die Eltern an die Geschwister des Toten. Die Geschwister des Erblassers gehören wie seine Eltern zur zweiten Erbordnung. Sie stammen ja wie der Tote von den gleichen Eltern ab. Sie werden dann gesetzliche Erben, wenn beide Eltern oder ein Elternteil des Erblassers nicht mehr leben. Sie erben dann das 1/8 oder die 2/8, die eigentlich den Eltern zugestanden hätten.

Staatserbrecht

Oft hört man, dass der Staat erbt, wenn keine Verwandten vorhanden sind. Das ist richtig. Wenn weder ein Ehegatte noch Verwandte vorhanden sind erbt der Staat.

Testament

Schenky: Und was mache ich, wenn ich die gesetzliche Erbfolge nicht will? Stell Dir vor meine Schwiegermutter würde was erben. Ich würde mich im Grab umdrehen.

Erby: Dann musst Du ein Testament machen. Wer die gesetzliche Erbfolge nicht will, kann ein Testament errichten. Du kannst in Deinem Testament frei bestimmen, wer deine Erben sein sollen. Das nennt man Testierfreiheit. Aber Vorsicht. Wenn es Pflichtteilsberechtigte gibt, kann man nur die Hälfte seines Vermögens frei vererben.


Pflichtteilshexe: Hihihi, ich mach die Erbschaft hi. Und erbt da einer sexe, kriegt drei die Pflichtteilshexe. Aus achte mach ich viere, ich stehe vor der Türe. Hihihi.


Erby:
Hilfe, Schenky. Hilfe. Die böse Pflichtteilshexe. Dich kann sie gar nicht leiden, Schenky. Versteck dich. Schnell.


Pflichtteilshexe:
Genau. Wer schenkt, der wird gehenkt! Wo ist das kleine süße Schenkylein? Die fresse ich, ein Halb ist mein. Hihihi.

 

Schenky: Ist sie weg, Erby? Ist sie weg?

Erby: Ja, ich glaube sie ist weg. Meine Herrn, das alte Weib. Die kommt bestimmt wieder. Die will immer von allem die Hälfte.  Lass uns erst mal tief durchatmen. Gegen die müssen wir zwei zusammenhalten. Und Du bist ganz besonders gefährlich für sie.

Schenky: Ich?

Erby: Ja, Du, Schenky. Vor Dir hat sie viel mehr Angst als vor mir. Das erklär ich Dir gleich. Gott sei Dank ist sie weg. Noch schnell zum Testament. Mann kann das Testament selber schreiben. Das ist dann das private Testament. Ein handschriftliche Testament mit Unterschrift genügt. Wenn ich zum Beispiel schreibe: „Testament. Ich setze Schenky zu meiner alleinigen Erbin ein. Erby“, dann reicht das schon. Aber ich würde natürlich Ort und Datum auch drunter schreiben. Das ist sinnvoll, vor allem wenn man mehrere Testamente geschrieben hat.

Schenky: Was du alles weißt. Ist sie wirklich weg?

Erby: Ja, ja, keine Angst. Gefährlich ist die Alte nur, wenn einer gestorben ist. Sie macht vorher schon immer viel Tamtam, aber sie kann nichts tun. Erst beim Todesfall kommt ihre große Stunde, nämlich dann wenn ein Pflichtteilsberechtigter in einem Testament weniger als seinen Pflichtteil erhalten hat. Und da können Schenkungen eine große Rolle spielen. Aber lass uns noch schnell das mit dem Testament klären.  Ehegatten haben den Vorteil, dass sie ein gemeinschaftliches Testament errichten können. Einer schreibt und unterschreibt es und der anderen unterschreibt mit. Hier gibt es aber gefährliche Fallen (Steuerfalle, Bindungsfalle), so dass eine Beratung durch den Fachanwalt für Erbrecht immer sinnvoll ist.

Pflichtteil 

Schenky: Du willst mich ja bloß von der bösen Pflichtteilshexe ablenken. Was will die Alte bloß von mir?

Erby: Ja, sie ist uralt und hat eine lange Geschichte. Aber der Reihe nach. Wie du gesehen hast, kannst du durch ein Testament frei Deine Erben bestimmen. Aber die Pflichtteilshexe ist damit gar nicht einverstanden. Sie stammt aus einer alten Zeit, als man noch gar nichts frei verschenken oder vererben konnte. Das war eine Zeit, in der immer alles an die Familie ging. Alles gehörte der Familie, alles blieb bei der Familie.

 Schenky: Ich hätte nicht einmal etwas den Armen schenken dürfen? Ich gebe doch so gerne.

Erby: Genauso war das, Schenky. Das ist schon ewig lange her. Erst als das Christentum nach Deutschland kam, setzte sich durch, dass man frei vererben und verschenken durfte. Das dauerte viele Jahrhunderte. Wir können uns das heute gar nicht mehr vorstellen, was für ein Kampf das war. Familienzwang gegen Testierfreiheit. Als sich die Testierfreiheit durchgesetzt hatte, konnten die Familien aber auch durchsetzen, dass sie wenigstens noch das Recht hatten, die Hälfte der Erbschaft in Geld verlangen zu können, wenn sie wollten. Wenn sie schon nicht mehr alles behielten, wollten die Familien wenigstens den Pflichtteil als Notwehrrecht.

Schenky: Das ist Notwehr, wenn die Alte sich hier so aufspielt?

Erby: Ob es uns passt oder nicht, Schenky. Der Pflichtteil ist die Notwehr der Familie gegen die Testierfreiheit. Sind Pflichtteilsberechtigte vorhanden, können alle Pflichtteilsberechtigten zusammen die Hälfte Nachlasswertes in Geld verlangen. Sie müssen das nicht, aber sie können es. Der Pflichtteil muss innerhalb von drei vollen Jahren nach dem Tod des Erblassers eingeklagt werden, weil sonst der Pflichtteilsanspruch verjährt. Pflichtteilsberechtigt sind nur der Ehegatte, die Kinder und Kindeskinder (also Enkel, Urkenkel usw.). Wenn keine Kinder oder Enkel des Erblassers vorhanden sind, sind ausnahmsweise auch die noch lebenden Eltern des Verstorbenen pflichtteilsberechtigt. Sonst ist niemand pflichtteilsberechtigt, also auch nicht Geschwister, Nichten, Neffen oder Lebensgefährten.

Schenky: Und was hab ich mit der alten Hexe zu tun?

Erby: Du bist ganz besonders gefährlich für sie, Schenky. Werden Sachen weggeschenkt und gehen zehn Jahre vorüber bis der Schenker stirbt, kann es passieren, dass der Pflichtteilsberechtigte keinen Schenkungspflichtteil mehr bekommt. Aber das ist eine komplizierte Geschichte. Mir brummt selber schon der Kopf von dem Hihihi der alten Hexe.

Schenky: Gibt es denn sonst noch jemanden, der für die Erben gefährlich ist?

Erby: Oh ja, liebe Schenky, oh ja. Das Finanzamt will auch seinen Anteil vom Kuchen.


Schenky: Was wollen die denn?

Erbschaftsteuer: Miterbe Finanzamt

Erby: In Deutschland geht es moderat zu. Aber nur wenn man Familie hat. Wer einen Ehegatten oder Kinder hat, kommt normalerweise davon, ohne Erbschafteuer zahlen zu müssen. Ehegatten können das selbstbewohnte Haus nämlich völlig steuerfrei erben, egal wie viel es wert ist. Daneben kann er noch mindestens 500.000 Euro steuerfrei erben. Das ist eine ganze Menge. Jedes Kind oder Stiefkind kann von jedem Elternteil 400.000 Euro steuerfrei erben. Für Enkel sind das 200.000 Euro und für Urenkel 100.000 Euro.

Schenky:  Und von wem kassiert der Staat dann die Erbschaftsteuer?

Erby: Die Zeche bei der Erbschaftsteuer zahlen die anderen. Das sind die Geschwister, Nichten, Neffen und Lebensgefährten. Die haben nur 20.000 Euro steuerfrei. Bei allem was darüber hinausgeht schlägt der Fiskus erbarmungslos zu. Davon nimmt er mindestens 15 %, in der Regel aber 30 %.

 

Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung

Wer dabei ist, seine Angelegenheiten zu regeln, sollte auch Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung nicht vergessen (Schauen Sie sich bitte das entsprechende Kapitel mit Mustern an). Eventuell ist auch eine Betreuungsverfügung sinnvoll. Wenn Sie das alles umgesetzt haben, haben Sie für den Ernstfall gut vorgesorgt.

Erbrechtkanzlei Ruby & Schindler – Wir machen nur Erbrecht – Wir helfen Ihnen – Überall in Deutschland – Tel. 07721 / 63450

Wichtig: Auch wenn sich auf unserer Homepage vieles für Sie einfach darstellen mag, fehlt auch dem intelligentesten Laien der Gesamtüberblick im Erbrecht. Oft werden schwierigste Punkte, die scheinbar im Vordergrund stehen, verstanden, grundlegende andere Probleme, die für den konkreten Fall wirklich entscheidend sind, aber gar nicht gesehen. Wir empfehlen Ihnen daher, unsere günstige Erstberatung von bis zu 1,5 Stunden in Anspruch zu nehmen. Die Erstberatung kann persönlich, telefonisch, schriftlich oder per Mail erfolgen. Sie kostet nur 190 Euro plus Mehrwertsteuer (eventuell noch Postgebührenpauschale, also im Ergebnis 226,10 oder 249,90 Euro). Sparen Sie nicht am falschen Ort. Oft müssen die Erben später viele Jahre prozessieren und Zigtausende an Anwalts- und Gerichtskosten zahlen, nur weil der Erblasser die geringen Erstberatungskosten sparen wollte. Übrigens: Bei einer Erstberatung durch uns erhalten Sie Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung kostenlos.